Im Jahr 2014 entdeckte ich das Konzept Schreibdenken nach Ulrike Scheuermann. Auch nach heute mehr als 30 Jahren professioneller Schreiberfahrung haben mir die verschiedenen Schreibdenkübungen grossen Gewinn für meine tägliche Arbeit als Texter gebracht.
Besser schreiben, denken und lernen dank Schreibdenken
Als Dozent bei Schreibszene.ch setzte ich die beiden Basistechniken des Schreibdenkens, Gedankensprint und Fokussprint, im Diplomlehrgang Online-Redakteur*in erfolgreich ein. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren diese Methoden des assoziativen Schreibens sehr inspirierend. Doch die meisten kannten Schreibdenken als Denk- und Lernwerkzeug nicht.
Schreibdenken vielen Menschen nutzbar machen
Das brachte mich auf die Idee, selber einen zweitägigen Workshop zum Thema Schreibdenken zu entwickeln. Ziel dabei ist: Das Konzept Schreibdenken und die verschiedenen Methoden im Schreibprozess interessierten Menschen näher zu bringen.
Schreiben beflügelt
Drei Frauen und ein Mann meldeten sich an, nachdem mir Martin Meier von den Oberwiler Kursen die Chance gab, den Kurs in seinem Programm auszuschreiben. War ich zuerst ein wenig enttäuscht, muss ich im Nachhinein sagen: Die Grösse der Gruppe war perfekt. So hatten wir viel Zeit, immer wieder ausgiebig über das Erarbeitete zu reden und Erkenntnisse auszutauschen. Denn das Schreiben beflügelte das Denken und das Denken löste die Zungen und sehr schnell erfüllte ein anregende Atmosphäre den schönen Raum, überraschend schnell stellte sich eine angenehme Vertrautheit zwischen den Teilnehmenden ein. Bei einer grösseren Gruppe, wäre dies wahrscheinlich nicht so leicht passiert; vielleicht lag es aber auch einfach an der Zusammenstellung dieser Gruppe. An dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön an euch alle, die ihr dabei wart, und durch euer Mittun zum Erfolg dieses zweitägigen Workshops beigetragen habt!
Der besondere Gewinn: Gemeinsam schreibdenken
Die Methoden des Schreibdenkens, vor allem die Schreibsprints, bringen sehr viel aus dem Unterbewusstsein des oder der einzelnen hervor. Denn dabei wird assoziativ, möglichst ohne Selbstzensur geschrieben – und in der Regel nur ganz allein für sich, gerade um die „Schere im Kopf“ auszuschalten. Doch es wäre öd geworden, hätten wir – jeder und jede für sich – zwei Tage lang nur allein für sich geschrieben.
So haben wir mit einem Brainwriting, anstatt -storming Ideen zum Schreiben gesammelt. In einem „Inkshedding“ haben wir gemeinsam weitergedacht. So entstanden erste Rohtexte, über die wir diskutieren konnten. Mit gegenseitigem Feedback ermunterten die Teilnehmenden einander, gaben neue Impulse und brachten einander auf neue Ideen. Die eine nahm eine Idee auf, dachte sie weiter unter einem neuen Aspekt und so ging es weiter bis ganz neue Gedanken entstanden.
Das zeigten auch die Wortsprints, vor allem der serielle, bei dem man sich von einem Ausgangsbegriff aus inspirieren lässt und immer weiter assoziiert: Vom ersten zum zweiten, vom zweiten zu einem dritten, vom dritten zu einem vierten Begriff. Im Gegensatz zum zentrierten Wortsprint, bei dem man immer zum gleichen Begriff nach neuen Assoziationen sucht, entfernt man sich beim seriellen Wortsprint immer mehr vom Ausgangsbegriff und landet – irgendwo.
Wir waren ganz begeistert von dieser Reise, auf die sich jeder und jede für sich begab, an der aber durch die Präsentation der Sprints, die Diskussion und den Austausch jeder und jede teilnehmen konnte.
Es funktioniert also: Das gemeinsame Schreibdenken! Und wie.
Die Teilnehmer*innen konnten von der neuen Art, mit Gedanken umzugehen und durch die gegenseitige Bereicherung profitieren. Und das alles vor allem schreibend. Das weckte neue Lust am Schreiben, am täglichen, privaten Schreiben für sich selber. Auf die abschliessende Frage; was die Teilnehmenden aus dem zweitägigen Workshop „Schreibdenken“ in den Alltag mitnehmen, antwortete eine Teilnehmerin, die während der Masterarbeit die Lust am privaten Schreiben verloren hatte: „… dass ich mir ein Notizbuch mit Kernlinie anschaffe und wieder schreibe im Alltag“. Der einzige Mann in der Gruppe, der schon seit Jahren als Texter arbeitet, schrieb auf die gleiche Frage: „… dass ich mich selber besser organisieren und meine Texte besser strukturieren und vereinfachen kann“. Und auf die Frage, was ihr besonders gefallen habe, sagte eine dritte schliesslich: “ … festzustellen, wie ich anhand verschiedener Techniken gut ins Schreiben komme und es Spass und Freude macht.“ Und schliesslich: „Ich werde das Gelernte anwenden und mehr schreiben.“
Gibt es schönere Komplimente für einen Schreibcoach?
Ich freue mich schon auf den nächsten Workshop „Schreibdenken“.
Willst du Schreibdenken kennen und nutzen lernen? Schreibe mir eine E-Mail. Ich benachrichtige dich, wenn der nächste Workshop stattfindet.
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