Weil Worte wirken: Warum Schreiben gesund ist.

Mann in der Wiese, der Tagebuch schreibt

Schreiben macht Mut, weckt Lebensfreude und schafft Verbindung zu sich selbst und zu anderen. Es kann zu mehr Klarheit, Gelassenheit und Seelenruhe führen. Und vor allem: Schreiben kannst du immer und überall und das zu geringen Kosten.

Alles, was du dafür brauchst, ist ein Stift und Papier. Schreiben ist eine jederzeit verfügbare und bewährte Methode zum effektiven Selbstcoaching: im alltäglichen Leben wie in Krisenzeiten.

Ohne Schrift und ohne die Fertigung von Schriftstücken könnte unsere Wissensgesellschaft nicht bestehen. Doch Schreiben ist mehr als nur das Aufzeichnen und Weitergeben von Informationen und Wissen.

Schreiben dient der Kommunikation zwischen Menschen und Organisationen, privat und geschäftlich. «Wer reden kann macht Eindruck – wer schreiben kann macht Karriere» – wie es der Titel eines Buches der Psychologin und Schreibberaterin Ulrike Scheuermann originell und etwas provokativ ausdrückt.

Schreiben ist aber auch ein kreativer Akt und ein starkes Ausdrucksmittel in Kunst und Kultur genauso wie im Privaten.

Seit der Psychologe James Pennebaker in den 1980er Jahren begann, die Wirkung des expressiven Schreibens zu erforschen, ist ganz offiziell bekannt: Schreiben kann helfen, Traumas zu bewältigen, kann Erkrankten Erleichterung verschaffen, Schmerzen und körperliches Leiden verringern. Die Wirksamkeit des expressiven und autobiografischen Schreibens ist heute also wissenschaftlich belegt.

Jeder Mensch kann schreiben

Obwohl Schreiben grosses Potenzial hat, finden viele Menschen keinen Zugang dazu. Vielen macht das Schreiben gar Angst, sei es wegen schlechten Erfahrungen in der Schul- und Studienzeit, sei es wegen der verbreiteten Ansicht, dass nur Menschen mit besonderem Talent schreiben können.

Die gute Nachricht ist jedoch: Ausdrucksstark schreiben kannst du lernen, denn es ist ein Handwerk, wie jedes andere. Und um ein Handwerk zu lernen, braucht es Handwerkszeug, Know-how und Praxis.

Klar; nicht alle werden Bestsellerautorin oder -autor. Doch auch du kannst die heilsame, beruhigende und anregende Wirkung des Schreibens für dich nutzen. Hier sind einige Gründe, warum Schreiben für alle ein Gewinn sein kann:

Konzentration und Aufmerksamkeit fördern

  • Schreiben fördert die Konzentrationsfähigkeit und die Aufmerksamkeit. Wer sich länger auf ein Thema konzentriert, ist weniger gestresst und kann sich sogar in einen ähnlichen Zustand wie bei der Meditation versetzen. Schreiben bringt also Ruhe in den Alltag.

Gedanken und Emotionen verarbeiten

  • Durch das regelmässige Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen können diese geordnet und besser verarbeitet werden. Schöne Erlebnisse festhalten oder belastende Gedanken loswerden: Wer über seine eigene Gedankenwelt schreibt, tut auch seiner seelischen Gesundheit etwas Gutes.

Erinnerungen festhalten

  • Schreiben hilft, Vergangenes festzuhalten. Der Rückblick auf Ereignisse lässt sie nochmals aufleben, vielleicht auch neu erleben und besser verstehen durch eine reflektierende Erzählung. Viele Menschen tun dies für sich selbst, um auf ihr Leben zurückzublicken oder für andere, um Erfahrungen und Erlebtes zu teilen mit der nächsten Generation. «Wer schreibt, bleibt», lautet das geflügelte Wort.

Selbsterkenntnis fördern

  • «Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke», notierte die amerikanische Autorin Susan Sontag in ihr Tagebuch. Regelmässiges Schreiben – beispielsweise in einem Erfahrungs- und Entwicklungsjournal – hilft, sich selbst besser zu verstehen, Denk- und Verhaltensmustern zu erkennen und bei Bedarf auch zu ändern.

Eine gesunde Selbstreflexion ist das aktive Bemühen, den eigenen Erfahrungen eine persönliche Bedeutung zu geben, sie zu erklären und wichtige Zusammenhänge im eigenen Leben zu verstehen. Womöglich ist es nicht genug, die Gedanken im eigenen Kopf zu haben. Man sollte sie auch ausdrücken, sei es im Austausch mit anderen oder nur für sich selbst auf dem Papier.

Dabei ist es wichtig, nicht nur darüber zu schreiben, was uns stresst und belastet, sondern auch zu erforschen, was uns guttut und gesund hält, was uns im Leben gelingt.

Wer auf diese Weise schreibt – sei es täglich im persönlichen Journal, mit autofiktionalen Geschichten oder verdichtet in lyrischen Formen –, stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit und gestaltet so ein sinnerfülltes Leben.

Probier’s doch einfach mal aus.


Schreibst du regelmässig für dich – im Tagebuch, in einem Journal, im persönlichen Blog? – Was sind deine Erfahrungen mit dem Schreiben? – Erzähle es gern hier im Kommentar.

Bild von Leandro De Carvalho auf Pixabay

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